Als ich begonnen habe, meine Ernährung umzustellen, konnte ich mir nicht im Entferntesten vorstellen, welchen Einfluss diese Entscheidung auf alle anderen Bereiche meines Lebens haben würde. Wenn ich nun zurückblicke, nach Jahren der langsamen Umstellung, von der uns gelehrten Ernährungsweise, die wir von unseren Eltern übernommen haben, hin zu einer ganz neuen Ernährung, registriere ich viele wundervolle Veränderungen – die möchte ich euch gerne mit auf den Weg geben.

Die Umstellung wurde eigentlich nicht von mir eingeleitet, sondern von meiner Frau, denn ihre gesundheitlichen Leiden waren zu dieser Zeit viel offensichtlicher als mir meine eigenen Probleme überhaupt bewusst waren. Medikamente hielten meine Symptome weitgehend versteckt. Sie wurden unterdrückt, aber nicht geheilt. Meine Frau jedoch, war irgendwann an einem Punkt, an dem sie nicht mehr konnte. Ihr Körper gab eindeutige Signale: er wollte die Nahrungsmittel nicht haben, die ihm gegeben wurden. Eine Lebensmittel-Intoleranz nach der anderen wurde ertestet – ein normales Leben war nicht mehr möglich. Das war der Anstoß für die gemeinsame Umstellung unserer Ernährung.

Zuerst schien alles sehr kompliziert zu werden. Aber das lag einfach an damals noch fehlendem Wissen. Heute kann ich eindeutig sagen: gesund zu leben ist das genaue Gegenteil von kompliziert, denn es ist eine Reduzierung auf das Wesentliche, eine Rückkehr zum Essenziellen, eine neue Sicht auf unser viel zu kompliziertes Leben. Dabei ist das schwierigste, wie bei so vielen positiven Veränderungen, der erste Schritt. Der vermeintliche Berg vor dem man steht, das Gefühl, alles entbehren zu müssen, was das Leben doch immer so lebenswert gemacht hat. Das ist natürlich beängstigend und führt leider viel zu oft dazu, dass man es lieber gleich sein lässt.

Keine Angst, euer Körper zeigt euch, was er von eurem Wandel hält

Doch als wir die ersten kleinen Schritte gewagt hatten, passierte etwas Wunderbares: unsere Körper antworteten uns. Zuerst waren es nur schwache Signale, die aber mit der Zeit immer deutlicher wurden. Schmerzen, an die wir uns über Jahre gewöhnt hatten, verschwanden. Der Wunsch nach Lebensmitteln, von denen jeder weiß, dass sie ungesund sind, nahm ab. Unsere Nahrungsaufnahme wurde bewusster und einseitig konditionierte Geschmacksnerven wurden sensitiver. Essen hörte auf, ein Ersatz für etwas zu sein. Heißhungerattacken ließen nach. Der Appetit auf etwas bestimmtes zeigt uns jetzt verlässlich an, was der Körper gerade braucht. So folgte ein Schritt nach dem anderen und die Gesundung breitete sich in alle Lebensbereiche aus.

Anfangs haben wir tierische Lebensmittel und gekochte Malzeiten reduziert, heute sind wir bei veganer Rohkost angekommen. Das steht einem Restaurantbesuch oder einem Essen mit Freunden aber nicht im Wege. Ausnahmen erlauben wir uns ohne schlechtes Gewissen, auch wenn wir mit Nachwirkungen verlässlich rechnen können.

Euer Essverhalten hat Einfluss aufs ganze Leben – und auf die Umwelt

Aber noch etwas anderes geschah: wir lernten auf diesem Weg so viel über uns selbst. Nicht nur unsere Körper wurden gesünder, auch geistig und emotional sind wir heute viel ausgeglichener. Streitereien, die uns früher das Leben schwermachten, sind einem Austausch gewichen, der auf Sachlichkeit beruht und nicht auf Gefühlsausbrüchen.

Auch der Geldbeutel bleibt geschont. Wir registrierten schnell, dass gesündere und biologisch und ökologisch hergestellte Lebensmittel nicht teurer sind, als unser früherer Konsum von Lebensmitteln, die für uns heute gar keine Anziehungskraft mehr besitzen. Wir haben aufgehört uns vom Wunsch nach Anerkennung treiben zu lassen. Besitz und Prestigeprodukte, mit denen wir früher unseren Nachbarn und uns selbst etwas beweisen wollten, haben heute keinen Wert mehr. Werbung prallt an uns ab und über die grotesken Manipulationen, mit denen zum Kauf angeregt werden soll, schütteln wir nur noch den Kopf.

Unsere Mülltonne wurde immer leerer, denn unverarbeitete Lebensmittel benötigen keine Verpackung. Der reduzierte Körpergeruch uns das verbesserte Hautbild machen Kosmetika größtenteils unnötig. Stattdessen kaufen wir handgemachte Seife, benutzen feste Shampoos und haben Spaß daran, Produkte wie Waschmittel, Zahnpasta und Deo, selbst herzustellen. Auch Wasser kaufen wir nicht mehr ein, denn Leitungswasser ist in Deutschland problemlos trinkbar. Je nach Gemeinde benötigt man höchstens einen Filter. Auch in anderen Ländern, in denen das Wasser aus dem Hahn gechlort ist, muss man sich keine Sorgen machen, wenn man es destilliert und danach mit natürlichen Mineralien impft.

Wie der Wandel auch unser Denken positiv veränderte

Kurz gesagt: mit der Umstellung auf eine natürliche Ernährung und Lebensweise, haben wir begonnen, alles Mögliche in unserem Leben zu hinterfragen. Ich habe sogar meinen Beruf aufgegeben, weil er nicht mit meinen jetzigen Lebensvorstellungen zusammengepasst hat. Dafür habe ich jetzt Zeit, euch unsere Erkenntnisse näher zu bringen, damit ihr eine Abkürzung nehmen könnt, ohne die Fehler, die man auf diesem Weg begehen kann.

Mittlerweile stellen wir uns bei allem was wir tun, simple Fragen: brauche ich das wirklich? Wofür brauche ich es? Gibt es einen besseren Ersatz oder eine nachhaltigere Alternative? Das fängt beim Essen an und führt über Toilettenpapier und Verpackungsmüll bis zum nachhaltigen Denken bei täglichen Entscheidungen. Es ist interessant: wenn Dein Körper beginnt, von innen sauber zu werden, physisch und psychisch, fängst du automatisch an, deine Umwelt mit anderen Augen zu sehen. Du kannst Müll am Wegesrand nicht einfach liegen lassen. Das wäre, als würdest du versuchen, in einem unaufgeräumten Haus zu putzen: überall liegen Dinge rum und du versucht, mit dem Putzlappen um sie herum zu wischen.

Die Resignation und die Verzweiflung, der bedrückende Gedanke, man könne als kleines Individuum nichts gegen die politische Weltlage, den Klimawandel und die weltweite Ungerechtigkeit tun, hat sich in positive Hoffnung verwandelt. Denn jeder einzelne Mensch kann mit seinem Beitrag ein Stück fürs große Ganze leisten. Das wissen wir jetzt. Denn am Ende liegt es an täglichen Entscheidungen, die vielleicht unbedeutend wirken, aber viel bewegen: wofür und bei wem gebe ich mein Geld aus? Was esse ich? Was ziehe ich an? Wie bewege ich mich fort? Was tue ich beruflich? Mit wem verbringe ich meine Freizeit? Was denke und fühle ich? So sende ich, mit allem was ich tue, eine Nachricht in die Welt. Ich unterstütze Dinge, die ich gutheiße und boykottiere Dinge, die ich nicht unterstützen möchte.

Natürlich sind meine Frau und ich noch immer auf dem Weg und wir haben noch lange nicht all unsere Wünsche erfüllt. Doch was wir eindeutig wissen: dieser Weg fühlt sich gut an, er bleibt spannend und wir freuen uns jeden Tag auf neue Entdeckungen. Und das möchten wir mit euch teilen.

Autor: Stéphane Puteaux

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