„Man sollte…“, „Man müsste …“, „Man darf nicht …“ – wer steckt eigentlich hinter diesem ominösen „man“ mit einem „n“? Warum ich dieses kleine Wörtchen nicht so gerne mag? Weil wir uns dahinter oft verstecken und die Verantwortung für unser Denken, Fühlen und Handeln damit einfach anderen in die Schuhe schieben. Mein Impuls: Lasst uns lieber sensibler für unsere Wortwahl werden.

Glaubt ihr nicht, dass wir uns hinter einem Wort verstecken? Nein? Okay. Denkt mal an den Ausdruck „Das macht man nicht …“ Wer ist denn dieser „man“, der das nicht macht? Wenn ich sowas zu meinen Kindern gesagt habe – und das habe ich früher leider häufig getan –, wollte ich doch eigentlich sagen: „Ich möchte nicht, dass ihr das tut.“ Statt aber klar zu meiner Haltung zu stehen, habe ich mich hinter einem allgemeinen „man“ versteckt. Und Kinder sind ja nun auch wirklich klug, weswegen sie meist sofort nachgefragt haben: „Warum denn nicht?“ Tja, gute Frage … Nun gibt’s nur noch die Möglichkeit, sich zu bekennen und zu sagen: „Weil ich das nicht will.“ – oder stur bei einem „Weil man das eben nicht macht.“ zu bleiben. Wofür zumindest meine Kinder selten Verständnis hatten.

Die besten Freunde von „man“: Das Passiv und der Konjunktiv

Oder nehmen wir einen typischen Dialog zwischen Mann und Frau: „Man könnte mal wieder den Mülleimer leeren“, sagt sie und es könnte ihr auch passieren, dass sie ins Passiv verfällt: „Der Mülleimer müsste dringend mal geleert werden!“ Aber wer soll das denn konkret sein, der, der den Mülleimer mal dringend leeren sollte? Vielleicht führt Frau Selbstgespräche, könnte Mann sich denken – und diesen neutralen Satz einfach ignorieren.

Vielleicht wäre es daher einfacher, wenn Frau sich zu ihrem Wunsch bekennt und konkret bittet: „Schatz, bist du so lieb und leerst mal den Mülleimer?“, „Schatz, ich möchte gerne, dass du den Mülleimer leerst. Würdest du das bitte tun?“ Dann würde Mann sich nämlich auch angesprochen fühlen und es käme nicht zwei Tage später zum Streit, weil sie behauptet, er würde eh nie etwas im Haushalt tun, dabei würde sie ihn doch regelmäßig dazu auffordern.

Und dann schauen wir uns vielleicht noch einen professionellen Kontext an: Ob Politik, Unternehmenskommunikation oder Wissenschaft, wie oft hören wir Sätze, die mit „Man könnte daraus schlussfolgern, dass …“ oder „Unter Umständen könnte man …“ beginnen/anfangen?
Wer ist denn in diesen Formulierungen wirklich gemeint? In diesem Kontext derjenige, der hier schlussfolgert? Ja, genau, der Absender. Politiker X, Unternehmer Y, Wissenschaftler Z hat jederzeit die Wahl, zu seinen Überlegungen zu stehen: „Ich komme zu dem Schluss, dass ich mich bei meiner Partei nun für XY einsetzen werde …“. Wäre dies nicht viel klarer?

Ich finde, es ist einen Gedanken wert. Oder was meint ihr?

Von Aimée Bastian, Unternehmerin & Coach in Düsseldorf                         Kontakt: www.familiencoaching-nrw.de

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